Meine Abenteuer mit der DB

Meine Abenteuer mit der DB

Nachdem ich meine Reise-Abenteuer mit der Deutschen Bahn bislang exklusiv mit meinem engsten WhatsApp-Kontaktkreis geteilt habe, wurde ich nun mehrfach darauf hingewiesen, dass auch andere experimentierfreudige und wagemutige Reisenden davon profitieren könnten, meine kleinen und großen Anekdoten als Mahnmal, Warnsignal und Inspirationsquell für die Wahl ihres Fortbewegungsmittels zu berücksichtigen.

Folglich werde ich Episode für Episode meine prägendsten Erlebnisse aus Bahnabteil 23 in den auffindbaren Weiten des World Wide Web platzieren.

Los geht’s mit meinem gestrigen Erlebnis.

Der eigentliche Plan

Gebucht hatte ich – natürlich wie immer als Sparfuchs – ein Ticket mit Zugbindung und ohne Stornierungsoption. Meine gebuchte Fahrt war geplant von Freising über München und Erfurt nach Dresden. Abfahrt: 10:51 Uhr, Ankunft: 15:43. Mit dem Auto hätte ich fast genauso lang gebraucht. Und für ungefähr 30€ ein wahres Schnäppchen, dass ich gut 6 Wochen vorher gebucht hatte. Gratis dazu, wie immer eine große Portion Optimismus.

Meine tatsächliche Fahrt

Freising

Sonntagmorgen. 9 Uhr. Frisch gebrühter Filterkaffee, warme Sonntagsbrötchen, leckere Brezn vom Bäcker, reichhaltige Beilagen, gemütliches Beisammensein und knapp 2 Stunden Genusszeit mit Freunden. Was will man mehr an einem grau verhangenen Januartag, an dem man das Haus eigentlich gar nicht verlassen will.

Nebenbei immer mal ein Blick auf die DB-App. Alles gut. Der Regionalexpress aus Prag hat auf seiner Fahrt über Freising nach München vorraussichtlich 3 Minuten Verspätung. Bei einer Umstiegszeit von mutigen 9 Minuten sportlich aber machbar.

9:50 Uhr. Die Verspätung erhöht sich auf 7 Minuten. Aber das schafft er schon noch rauszufahren, sag ich mir. Der Glaube versetzt schließlich Berge.

10:03 Uhr. Aber eben keine Züge. “Ihre aktuelle Verbindung ist nicht mehr fahrbar. Zugbindung aufgehoben.” Der Klassiker. Alternativen laut DB-App: Eine. Wann? 10:14 Uhr mit der S1 nach München. Ihr glaubt nicht, wie schnell man ein Auto vom Schneegraupel befreien, sich seine 7 Sachen schnappen und zum 5 Autominuten entfernten Bahnhof fahren kann. Gelegenheiten muss man packen, wenn sie sich bieten, heißt es.

10:12 Uhr. Puuh. Das war knapp. Ich sitze im richtigen Zug, habe trotz gerissener Umhängetasche noch alles bei mir und komme pünktlich mit genügend Umstiegszeit am Münchner Hauptbahnhof an.

10:27 Uhr. Was ist denn das eigentlich heute für ein Einheitsgrau? Da können auch die raureifbedeckten Wälder nicht drüber hinweg trösten. Nach außen betrachtet hat nicht nur die Bahn Verspätung. Auch das Winterwetter mit Sonnenschein und Schneedecke weilt noch irgendwo in der Ferne und hat sich stattdessen auf einen verspäteten November-Blues eingestellt.

München

10:58 Uhr. Ankunft in München Hauptbahnhof. Dank hektischem Aufbruch schaffe ich meinen Umstieg zum ICE-Sprinter um 11:27 Uhr pünktlichst.

10:59 Uhr. München Hauptbahnhof. Gleis 31. Warum sieht dieser Bahnhof eigentlich seit mindestens 10 Jahren nach Dauerbaustelle aus? Und warum muss ich von Gleis 31 aus dem Bahnhof raus, um an Gleis 23 zu kommen.

11:03 Uhr. Mein Blick an die Anzeigetafel verrät mir: ICE 1008 nach Berlin fährt heute 20 Minuten später. Läuft.

11:05 Uhr. Dank genügend Wartezeit weiß ich jetzt: Der Münchner Hauptbahnhof wird vermutlich noch bis 2038 – so die aktuellen Planungen – wie eine Dauerbaustelle aussehen. Bis dahin werden vermutlich noch mehrere Hundert Millionen, wenn nicht sogar Milliarden in mindestens 50 Meter Tiefe versenkt, um einen der modernsten und größten Bahnhöfe der Welt zu bauen. Stuttgart lässt grüßen.

11:32 Uhr. Ach da schau an, mein ursprünglich geplanter Regionalexpress kommt an. Da hätte ich mir den ganzen Terz auch sparen können 🙂

11:47 Uhr. Wenigstens ein bisschen was klappt. Die angekündigte Verspätung wird eingehalten und ich fahre “pünktlich” 20 Minuten verspätet los.

11:50 Uhr. Ein Blick auf meine App verrät. Auch mein Anschlusszug in Erfurt hat Verspätung. Stand jetzt erwische ich den sogar noch. Ich und mein unerschütterlicher Restoptimismus.

11:52 Uhr. Mein Vierertisch ist voll besetzt. Ein Pärchen gegenüber, ein Mann neben mir, der zu der Vierergruppe am Nachbartisch gehört.

11:55 Uhr. Der Zugführer teilt mit: Ein “Kuddelmuddel” ist schuld an der Verspätung gewesen. Dies ist nun beseitigt und er wünscht uns eine gute Fahrt. Ein Zug war wohl kaputt und musste kurzfristig getauscht werden. Ich sitze übrigens im ICE 332, Augsburg, der kurzerhand für das “Kuddelmuddel” einspringt.

12:05 Uhr. Wäre das geklärt. Dann kann ich die Augen zu machen. Ich döse etwas vor mich hin. Doch Moment. Wo kommt eigentlich dieser Schnapsgeruch her? Ah, von nebenan. Wir sitzen keine 10 Minuten im Zug, schon wird die Flasche Jägermeister nebenan geöffnet. Zusammen mit ein paar Dosen feinstem Red Bull gönnt man sich im Mischungsverhältnis 1:1 einen kleinen Schluck, um das Wochenende zu feiern und teilt die 700ml fair unter fünf Männern auf. Zack, ist die Flasche leer. Na dann, Prost Männers.

12:10 Uhr. Wie sich herausstellt, sind die fünf Männer Roadies bei einer Band und haben eine anstrengende Tourwoche hinter sich. Nach einer kurzen Nacht mit nur zwei Stunden Schlaf geht es zurück nach Berlin, bevor es dann für eine Band namens “The Butcher Sisters” am Donnerstag wieder auf Tour geht, um Ton, Bühne, Technik und Kamera für weitere Konzerte aufzubauen.

12:20 Uhr. Eine kurze Recherche erklärt mir, dass die Band irgendwas zwischen Deutschrap, Metal und Beatdown Hardcore spielt und einschlägige Hits veröffentlicht hat. Darunter Titel wie “Bierosaufus Ex”, “Uga Uga bam bam”, “Ü30” oder “Klettergerüst”. Wenn ihr auf einen Musicstil names “Beatdown Hardcore” abfahrt, ist euch die Mannheimer Band sicherlich keine Unbekannte. Ich spare mir indes weitere Hörproben.

Erfurt Halle (Saale)

13:00 Uhr. Auch die 290km/h Reisegeschwindigkeit werden es nicht rausholen. Die 20 Minuten Verspätung sind nicht aufholbar. Schon gar nicht, wenn die Oberleitungsstörung meines Erfurter Umstiegszugs bereits behoben ist und dieser fast pünktlich durch Erfurt in Richtung Dresden braust.

13:30 Uhr. Das sieht auch der Zugführer so. Und die DB-App. Beide teilen mir uniso mit: Zuggäste in Richtung Dresden bleiben bitte bis Halle (Saale) im Zug. Dort gibt es einen Anschluss nach Dresden. Na wenigstens etwas.

13:50 Uhr. Das Gespräch mit dem Pärchen Claudia und Samuel (ich hoffe das waren ihre richtigen Namen, mein Namensgedächtnis ist manchmal nicht das Beste) ist unerwartet intensiv, erfrischend und kurzweilig. Das frisch vermählte Paar fährt nach Zwickau, um sämtliches Hab und Gut der Braut (mit einem Umzugswagen, nicht mit Bahn) nach Graubünden zu fahren. Die beiden ziehen heute nach 2 Jahren Dauerpendelei zusammen und bauen sich ein Leben in der Schweiz im Heimatdorf des Bräutigams auf. Glückwunsch und alles Gute euch beiden nochmals – wo auch immer ihr jetzt gerade im Zugnetz bei eurem Rückweg in die Schweiz unterwegs seid.

14:28 Uhr. Halle/Saale. Ein halbe Stunde Aufenthaltszeit. Genug, um kurz in die Bahnhofsbücherei zu schauen, meine Freisinger Käselaugen-Semmel zu essen und dem Haferkater einen Besuch abzustatten und meiner Koffeinliebe etwas Zuneigung zu widmen.

14:55 Uhr. Wie ich es hasse. In halb besetzten Zügen platzieren gefühlt 9 von 10 Einzelreisenden ihre Taschen, Rucksäcke und Koffer so, dass wahlweise ein bis drei Plätze reserviert werden. Die Hälfte stellt sich schlafend, die andere Hälfte ist wahlweise in irgendwelche Notebook-Arbeit oder ein Buch vertieft. Mittlerweile ist mir dieses – “Entschuldigung, ist hier noch ein Platz frei” zuwider und ich suche lieber etwas länger einen freien Platz als mein Schicksal gegen eine Fremd-Tasche und entnervte Blicke herauszufordern.

16:39 Uhr. Mit nur einer Stunde Verspätung erreiche ich den Dresdner Hauptbahnhof. Und natürlich muss ich mir die Frage gefallen lassen, warum ich eine Fahrt mit 9 Minuten Umstiegszeit in München und 5min in Erfurt buche. Aber die App hat’s empfohlen. Und der Preis war echt gut.

Fazit:

  • Reisezeit: 6:25 Stunden (statt 4:52 Stunden)
  • Verspätung am Ziel: 56 Minuten
  • Gefühlte Erlebnisdichte: wie immer unbezahlbar
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Matthias

Vater. Unternehmer. Blogger. Reiselustig. Freiheitsliebend. Zukunftsoptimistisch. Schreibt hier über den Sinn und Unsinn des Lebens, Persönlichkeitsentwicklendes, Reiselustiges und E-Commercelastiges aus der Sicht eines Agenturinhabers.

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